start

 

Evangelische Michaelsbruderschaft (EMB)

     Ältester: Pfr. Dr. Frank Lilie
   
 Kurator: Landesbischof Dr. Ulrich Fischer
    
Ältester des Konventes Rheinland: Helmut Schwerdtfeger
    
 

Weitere Informationen auf den Seiten: 
www.klosterkirchberg.de
und www.tagzeiten.de und www.evangelische-messe.de

Pfarrer Gregorius ist Sekretär für Kirchenmusik und Gottesdienst der Evangelischen Michaelsbruderschaft. Zusammen mit dem Hausgeistlichen vom Kloster Kirchberg, Peter Schwarz arbeitet er an der Herausgabe eines evangelischen Messbuches, das im Frühjahr 2009 bei Vandenhoeck & Ruprecht erscheinen wird. Schon jetzt finden sich die Gebete für die Sonntage des Kirchenjahres als pdf  auf der Seite des Messbuches. www.evangelische-messe.de

Aktivitäten der Bruderschaft in der Region:
Komplet (Nachtgebet)
Monatliche Feier der Evangelischen Messe (liturgischer Abendmahlsgottesdienst)
Informationen bei Pfarrer Gregorius
rdgregorius@t-online.de

                                                    

Ein Artikel aus unserem Gemeindebrief:

September 1931.
22 Männer schließen sich in der Universitätskirche zu Marburg zur Evangelischen Michaelsbruderschaft zusammen. Sie verpflichten sich, der Kirche zu dienen, am Leben ihrer Ortsgemeinde teilzunehmen und ein geistliches Leben zu führen. Sie leben weiter in Familie und verschiedenen Berufen, aber sie treffen sich regelmäßig, heute in 18 verschiedenen Konventen im deutschsprachigen Raum und bemühen sich nicht nur im Beieinander, sondern auch im Alltag, in Familie und Beruf ein bewußt christliches Leben zu gestalten. Für dieses Leben haben sie mit den Begriffen
leiturgia (Gottesdienst) martyria (Zeugnis) und diakonia (helfendes Handeln) eine einprägsame Formel geschaffen. Sie gehörten zur sog. Berneuchener Bewegung, zu den Menschen, die sich aus der nach dem Ersten Weltkrieg aufbrechenden Suche nach einer neuen Gestalt des Lebens und nach einer Reform der Kirche zu Gesprächen auf dem Gut Berneuchen in der Neumark getroffen hatten. Aus diesen Gesprächen war 1926 das sog. Berneuchener Buch hervorgegangen. Das war der erste Versuch gewesen, etwas beizutragen zur Reform der Kirche, zu ihrer Öffnung für neue Generationen und zu ihrem Leben in einer veränderten Welt. Als eines von vielen Büchern zur Reform der Kirche war es trotz seines bis heute aktuellen Inhalts ein Fehlschlag gewesen. Es war in die Hände der Theologen gefallen und wurde in den Mühlen ihrer Diskussionen zerrieben. Bei den Berneuchnern reifte die Erkenntnis, daß der Suche nach einer Gestalt des Lebens und des Glaubens, wie sie damals breite Kreise der jungen Gerneration erfaßt hatte, eben nicht - wie gewohnt - nur Sache der Theologen sein konnte. Eine Sache, die mit Literatur, mit dem gedruckten Wort betrieben wurde. Aus der Jugendbewegung kannte man die Wertschätzung der Gemeinschaft. So hatte man in Berneuchen begonnen, neben den Gesprächen und Diskussionen, Gemeinschaft konkret zu gestalten, indem man sich bewußt Zeit nahm für das gemeinsame Beten und die sorgfältig gestaltete Feier des Gottesdienstes. Schon in Berneuchen dachte man auch nach über Formen verbindlicher Gemeinschaft. Durch die bald so genannten Berneuchener wurde nun die Wiederentdeckung des kirchlichen Stundengebetes, des Betens im Rythmus der Tagzeiten in die kirchliche Öffentlichkeit getragen. Wo immer sich Gelegenheit bot, in der Familie, im Freundeskreis, auf geistlichen Freizeiten und in der Gemeinde, fing man wieder an, die Laudes (das Morgengebet), die Vesper (das Abendgebet) die Komplet (das Nachtgebet) zu beten. Daneben bemühten Berneuchner sich auch um eine neue Begegnung mit der Meditation im Leben des Einzelnen und der Gemeinden.
Nicht wenig von dem, was uns heute längst selbstverständlich geworden ist, verdankt sich in nicht geringem Maß den Bemühungen der Berneuchener und Michaelsbrüder. In ihren Konventen wurde vieles entwickelt, ausprobiert und solange geformt, bis den Gemeinden angeboten werden konnte: die Konfirmandenfreizeiten, die Bibelleseordnung, die Perikopenordnung (d.h. die Zusammenstellung der Lese- und Predigttexte für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres), die Wochensprüche, die Integration des Abendmahles i n den Gottesdienst, die Wiederentdeckung der liturgischen Gewänder und des Betens und Singens der
Psalmen, die Beteiligung der Gemeinde an der Gestaltung des Gottesdienstes, die Öffnung für Meditation und Stille, die neue Entdeckung der Kunst, das Zugehen auf Christen anderer Konfessionen, die Achtsamkeit gegenüber Zeichen, Symbolen, Räumen und Gebärden, die Sensibilität für Fragen persönlicher Seelsorge.
Die Michaelsbruderschaft und die Männer und Frauen der ihr verbundenen Gemeinschaften der Jungbruderschaft und der Gemeinschaft Sankt Michael leben auch heute nicht als Kommunität in einem eigenen Haus, so wie es z.B. die Brüder von Taizé tun. Ihre Zusammenkünfte sind in der Regel ein- oder mehrtägige Treffen, sind Tage gemeinsamen Lebens, sind gleichsam
„Kloster auf Zeit“. Trotzdem haben sie ein Kloster für sich und als Tagungsstätte für Gruppen aus Kirche und Gesellschaft. Nach der Säkularisation 1806 hatte 1856 die letzte Dominikanerin das Kloster Kirchberg bei Sulz am Neckar verlassen. Einhundert Jahre waren die Gebäude landwirtschaftlich genutzt worden bis 1956 mit den Berneuchnern und der Michaelsbruderschaft das geistliche Leben und Arbeiten wieder einzog. Heute ist Kloster Kirchberg, geleitet von einem ev. Pfarrer und Michaelsbruder aus Bayern ein kirchliches Einkehr- und Tagungshaus besonderer Art. Es bietet nicht nur Raum für Freizeiten und Gruppen an, es lädt auch ein, an seinem liturgischen Leben mit Stundengebeten und Gottesdiensten teilzunehmen.
Die Ev. Michaelsbruderschaft sieht sich dem
Erbe der Reformation und zum Dienst in der Ev. Kirche verpflichtet. Als Nachfolger von Bischof Ulrich Wilckens übt derzeit der badische Landesbichof Fischer das Amt des Kurators aus.

Neben dem Gemeindeleben und dem Pfarrhaus meiner Heimatstadt Simmern bin ich seit langem durch das geistliche Leben und Beten der Bruderschaft getragen und geprägt. Wichtige Impulse für mein persönliches Leben, meinen Glauben und meine Arbeit habe ich von Brüdern bekommen, die als Pfarrer in verschiedenen Kirchengemeinden der Region Bad Kreuznach gelebt und gearbeitet haben. In den letzten Jahren ist es mir schwer gefallen, zwischen Kanzel, Altar, Sitzungen, Besuchen und dem Schreibtisch das eigene geistliche Leben nicht abreißen zu lassen. Da bot es sich an, nun endlich den Schritt in eine verbindliche Gemeinschaft zu tun. Im Jahr 2002 bin ich beim Michaelsfest im Ev. Augustinereremitenkloster von Erfurt in den Kreis der Brüder aufgenommen worden. Daß dies gerade an dem Ort geschehen konnte, an dem Luther wesentliche Gedanken der Reformation formuliert hat, ist mir besonders wertvoll.

R.-D. Gregorius